Predigtstuhlbahn
Menschen in Bewegung
Bad Reichenhall, die „Königin der deutschen Alpenbäder“, wurde bereits im Jahr 1866 von der deutschen Staatsbahn angefahren (10-1). Die Zahl der Erholungssuchenden wuchs, allein der Weg zu den Gipfeln war nur konditionell geeigneten Personen vorbehalten.
Die 1920/1930er Jahre waren die Jahre des Luftseilbahnbaus. So entschied sich auch die mondäne Kurstadt Bad Reichenhall zum Bau einer Seilbahn auf den Predigtstuhl (10-2). Von Anfang an galt die Predigtstuhlbahn als Inbegriff für Eleganz im Seilbahnbau. Sie steht heute unter Denkmalschutz.
Am 30. Juni 1928 brachte die erste Sonderfahrt die örtlichen Honoratioren auf den Berg, zwei Tage später wurde die Anlage der Öffentlichkeit übergeben (10-3). Im Sommer Wanderer, im Winter Skifahrer – das war die Klientel. Das Berghotel auf ca. 1600 m NN bietet einen herrlichen Blick auf das Becken von Bad Reichenhall und die umliegenden Berge der Nördlichen Kalkalpen (Hoher Staufen, Zwiesel etc.) (10-4). Aber die echte Sensation waren die Gondeln. Erstmals wurden Leichtmetallkabinen und nicht mehr die den Eisenbahnwaggons ähnelnden „Wagen“ eingesetzt. Die 12-eckigen Salons, die 25 Personen und einen Begleiter Platz boten, befördern die Fahrgäste in 9 Minuten die ca. 2,4 km Schwebestrecke, von 476 m NN (Talstation) auf 1583 m NN (Bergstation). Auch die Geschwindigkeit von 5 m pro Sekunde war bis zum damaligen Zeitpunkt unerreicht. Für Bad Reichenhall galt die Bahn als Inbegriff des Aufschwungs. Die Presse rühmte die Geschwindigkeit, Lautlosigkeit und Sicherheit der Bahn.
Bis auf einige Elemente seilbahntechnischer Natur (Antriebsmotoren, Treibscheibe, Zug- und Hilfsseil) widerspiegelt die Bahn den Originalzustand von 1928 (10-5). Noch heute verkehren die fast 100-jährigen Kabinen. Damit ist die Predigtstuhlbahn die älteste, weitgehend im Originalzustand befindliche Personenseilschwebebahn der Welt. Der Stromverbrauch der Bahn ist eher gering, weil die bergwärts fahrende Gondel durch das Gegengewicht der talwärts fahrenden Gondel gezogen wird. Jährlich werden zwischen 40.000 und 50.000 Personen befördert, was in 100 Jahren in etwa 4-5 Millionen Fahrgäste ausmacht.


