Vorderkaserklamm Parkplatz
Wasser in Bewegung
Landschaften mit Schluchten und Klammen, aber auch Höhlensysteme verdanken ihre Entstehung und ihr Aussehen der Energie des fließenden Wassers (5-1). Dabei spielen geologisch-tektonische Strukturen, wie Klüfte oder Sprünge im Fels, eine entscheidende Rolle. Dort kann die ausräumende Erosion gezielt ansetzen. Was genau dahinter steckt und welche Rolle der Faktor Zeit spielt werden die nächsten Zeilen näher erläutern.
Als die eiszeitlichen Gletscher vor 16.-18.000 Jahren das Saalachtal wieder freigaben, blieben durch die Eiserosion entstandene, übersteilte Hänge und übertiefte Täler zurück. Nachdem das Widerlager, das Gletschereis, verloren ging, stürzten viele Hangpartien entlang ihrer Felsklüftung, zu Tal (5-2a).
Dadurch bildeten sich Bergsturzlandschaften wie bei Lofer, wo immerhin 80 Millionen m3 Fels über 3,6 km2 verstreut, beiderseits der Saalach zu liegen kamen. Anfangs dämmten die Felsmassen die Saalach komplett ab. Der dadurch entstandene Stausee verlandete, diese Ebene bildet heute das Loferer Becken (5-3). Einen weiteren Felssturz, jenen von Luftenstein südlich Lofer, durchschneidet die Saalach im Naturdenkmal der Thurnlöcher.
Beiderseits des Saalachtales finden sich spektakuläre Klammen. So die Vorderkaserklamm am Ödenbach, die Seisenbergklamm am Weißbach (5-4), die Innersbergklamm am Innersbach und die in Bayern liegende Aschauer Klamm am Aschauer Bach. Die an geologisch vorgezeichnete Schwächezonen gebundenen Einschnitte entstanden durch Fließwassererosion seit dem Ende der letzten Eiszeit. Der harte Kalkstein wurde richtiggehend zersägt, die schmalsten Stellen der Klammen liegen bei weniger als einem Meter. Neben der kontinuierlichen Erosion über viele Jahrtausende führten vor allem kurzzeitige, extreme Niederschlagsereignisse immer wieder zu einer abrupten Eintiefung. Klammeinschnitte um 120 Meter in ca. 1000 Jahren sind keine Seltenheit – das entspricht 12 mm im Jahr! In wie weit die Klammen bereits als Rinnen von unter dem Gletschereis abfließenden, unter hohen Druck gestandenen Wasser gebildet wurden, ist noch ein Rätsel. Das fließende Wasser schuf gleichzeitig auch Hohlräume im Berginneren, wie die Lamprechtshöhle in den Loferer und Leoganger Steinbergen (5-5).


