Die Entwicklung der Mobilität – Teil 3

Vom Land in die Luft

War der Innovationssprung vom Wasser aufs Land spürbar groß, so war jener vom Land in die Luft noch um ein Vielfaches größer. Wir wir alle wissen, besteht der Traum vom Fliegen seit Menschengedenken. Doch es geht nicht nur um den Traum vom Fliegen, es geht um die Entwicklung unserer globalen Mobilität wie wir sie heute kennen, die nur durch die Erfindung der Luftfahrt möglich gemacht wurde. Bereits Leonardo Da Vinci untersuchte im 15. Jh. das Flugverhalten von Vögeln und entwarf in Anlehnung daran erste Baupläne von Fluggeräten. Danach dauerte es bis ins späte 18. Jh., bis die ersten erfolgreichen Flugversuche gelangen. Die Brüder Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfer ließen 1783 einen ersten bemannten Heißluftballon in die Luft steigen.

Ein Heißluftballon, abgesehen davon, dass dieser “fährt” und nicht fliegt, hat wenig mit der Entwicklung der Fliegerei zu tun. Es war vor allem die Erfindung des Gleitflugs, welche die Entscheidende Wende herbeiführte. Erste Versuche gehen auf Albrecht Ludwig Berblinger zurück, er erfand 1811 den ersten flugfähigen Hängegleiter. Der Engländer George Cayley erfand das Prinzip des Starrflügelflugzeugs und flog 1853 als ersten einige Meter weit mit dem von ihm entwickelten Dreidecker. Entscheidendes gelang Otto Lilienthal, der die aerodynamische Form der Flügel und somit den notwendigen Auftrieb erfand. Er bewies mit seiner Erfindung, das ein Körper, der schwerer ist als Luft, abheben und fliegen kann.

Side Fact: ist es heute vor allem die Klimadebatte und der Klimawandel hin zu immer höher werdenden Temperaturen, die die Luftfahrt unter Zugzwang bringen, so hat diese Thematik bereits in der Griechischen Mythologie zu Problemen geführt. In der Sage von Dädalus und Ikarus versuchen die beiden mittels selbstgebauten Schwingen aus mit Wachs verklebten Vogelfedern die Flucht von Kreta nach Sizilien. Der Sage nach hätte die Sache funktioniert, wäre Ikarus nicht der Sonne zu nahe bekommen, welche das Wachs schmelzen ließ, weshalb seine Schwingen flugunfähig wurden und er ins Meer stürzte. Die Story von Ikarus schafft interessante Querverbindungen zur Klimaveränderung und den steigenden Temperaturen, denn diese sind es, die die Debatte um Mobilität, Individualverkehr und nicht zuletzt um den offenbaren Klimakiller Luftfahrt imme mehr anheizen!

Quelle: Biblioteca Valenciana Nicolau Primitiu (Instagram: biblioteca_valenciana)

Dazu passend: Wie auch im Individualverkehr zu Land gelang auch bei der Luftfahrt durch die Entwicklung des Verbrennungsmotors eine Initialzündung. Der Zeppelin, ein motorisiertes Starrluftschiff hob am 2. Juli 1900 erstmals ab und bildete eine Grundlage des Personenverkehrs in der Luft. Die amerikanischen Brüder Wright waren es, die das Prinzip der Aerodynamik fortführen und die das erste motorisierte Doppeldecker-Motorflugzeug mit Propellerantrieb bauten – dieses flog im ersten Versuch 37 meter weit. “Etwas weiter” floge da schon Louis Bleriot im Jahr 1909, als er als erster Mensch in der Luft den Ärmelkanal überquerte. Äußerst bekannt ist auch der erste Nonstop Flug von New York nach Paris im Jahre 1927 durch den der Pilot Charles Lindbergh weltweite Bekanntheit erlangte.

Danach waren es vor allem die Kriege und die Entwicklung der Kriegsflugzeuge, die der Luftfahrt zu ungeahnten Höhen verhalfen. Die stetigen Weiterentwicklungen, vor allem jene der Fluginstrumente, der Druckkabinen und der Funknavigation führten dazu, dass der Siegeszug des Flugzeugs als Personen- und Gütertransportmittel über weite Strecken nicht mehr aufzuhalten war. Dem Faktor “Zeit” kommt bei der Entwicklung der Luftfahrt eine entscheidende Bedeutung zu, bislang wurde noch keine Mobilitätsform erfunden, mittels welcher in so kurzer Zeit, derart große Distanzen zurückgelegt werden können – doch mal sehen, welche Entwicklungen die Zukunft für uns bereit hält. “Beam me up Scotty!”

Wie & wohin reisen wir in Zukunft?

Es scheint, als hätte der Mensch in Sachen Mobilität alles erreicht. Die Entwicklung der Luftfahrt, und als Steigerungsstufe das Verlassen des Planeten mittels bemannter Raumfahrt, legen den Schluss nahe, dass wir eigentlich nicht mehr viel mobiler sein könnten. Zukunftsträchtige Visionen und Science Fiction mal ausgenommen, denn der Phantasie sind ja bekanntliche keine Grenzen gesetzt und der Traum vom Fliegen wurde irgendwann genauso belächelt wie die Vision vom Beamen oder Reisen durch die Zeit. Zugegeben, das Beamen von Materie oder Zeitreisen würden die menschlich Mobilitäts auf eine Stufe stellen, das bisher nur schwer vorstellbar scheint.

Aktuell geht die Debatte jedoch in eine entgegengesetzte Richtung, und das scheint ein wichtiger Trend zu sein, denn die umfassende Mobilität von Menschen und Gütern sorgt für Probleme in sozialer, struktureller, umweltpolitischer und klimatischer Hinsicht. Anders gesagt, unser globales Mobilitätsbedürfnis und -verhalten geht auf Kosten des Planeten, der Umwelt und des Klimas und so entsteht eine global geführte Diskussion, wieviel Mobilität möglich und nötig ist. Wie jede gute Diskussion gibt es mehrere Seiten und sie wird zunehmend hitziger. Die Frage ist, wo wollen wir in Zukunft hin und sind unsere komplexen, globalen Mobilitäts- und Verkehrssysteme der Weisheit letzter Schluss? Die Antwort liegt in uns allen und in unserem kollektiven Verhalten. Wir Menschen, jeder von uns, treffen jeden Tag Mobilitätsentscheidungen, die in ihrer Gesamtheit große Auswirkungen auf das System Erde haben. Somit haben wir es selbst in der Hand, die Zukunft der Mobilität, unseres Planeten und somit auch unseres Lebens auf diesem Planeten zu steuern.

Side Fact: Auch wenn sich die bemannte Raumfahrt soweit entwickelt, dass wir irgendwann unseren Planeten verlassen können, um ein Leben fern der Erde zu führen, da diese unbewohnbar geworden ist, so erscheint dies keine erstrebenswerte Lösung zu sein. 1) ist die Raumfahrt noch nicht so weit und 2) ist der Zug noch nicht abgefahren, das Ruder auf unserer Erde herumzureißen. Noch können wir richtige Entscheidungen treffen und unsere mobile Zukunft positiv gestalten – jeder von uns, an jedem Punkt der Erde, jeden Tag!